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Sketchnotes lernen, indem du dir ein Buch kaufst, scheint es wie bei vielen anderen Dingen eine gute Idee zu sein. Auch wenn es brutal klingt: Ich sage, das stimmt nicht. Jedenfalls was die ersten Schritte betrifft.

In jedem meiner Sketchnoteworkshops, sitzen jede Menge Sketchnotebuchbesitzer*innen. Einige haben sogar mehrere Werke in ihrem Bücherschrank und dennoch: trotz fleißiger Lektüre sind sie meist nicht mit dem Gefühl ausgestattet, sketchnoten zu können. Einige haben es kurz versucht mit einem Buch sketchnoten zu lernen, andere haben es gar nicht erst probiert.

Dabei bieten die meisten Bücher aus dem Bereich prima Anregungen, wie man dieses oder jenes zeichnet – aber kaum transportieren sie das eigentliche Thema – nämlich visualisieren, also Themen sichtbar machen. Das ist in erster Linie ein Denkprozess, den du verstehen und für dich entwickeln musst. Klar, für bestimmte Formen von Symbolen hilft dir vielleicht eine Anleitung, wo welcher Strich hingehört, aber das löst nicht die Problemstellung:

Wie bekomme ich einen Inhalt reduziert und sichtbar umgesetzt, so wie ich ihn wahrnehme?

Bücher zum Thema Sketchnoten sind zwar nicht grundsätzlich nutzlos, aber zum Beginn helfen sie wenig – sie sind tolle Impulsgeber, wenn du etwas weiter bist. 

Ein Workshop als Initialzündung?

Kein Grund zum Verzweifeln – Sketchnotes gehören tatsächlich zu den Lerninhalten, die etwas Zeit brauchen, um zur guten Gewohnheit zu werden. Dafür kann ein kleiner Kurs oder Workshop der richtige Auftakt sein, um gemeinsam mit anderen und unter Anleitung deine ersten Sketchnoteschritte zu gehen. Das beste daran ist, dass du jemanden hast, der verhindert, dass du dich in der Komplexität verhedderst – das führt oft zu aufgeben.

Dabei ist es ehrlich gesagt eine Sache des Anspruchs. Nehmen wir mal an du möchtest spanisch lernen – hättest du gleich die Idee, dass du nach der ersten Stunde Isabel Allendes Romane in ganzen Sätzen zusammenfassen und interpretieren könntest? Wahrscheinlich nicht.

Warum haben dann angehende Sketchnoter die Idee, dass es frustrierend ist, nicht gleich nach den ersten Strichen den tollen Ted-Talk, den sie gern zusammenfassen würden allgemeinverständlich und chic umsetzen zu können. Meiner Erfahrung nach ist das Spannungsfeld aus Anspruch und Überforderung die größte Bremse. Mach es dir leicht und starte mit einem kleinen Kurs oder Workshop, der dich schnell über die größten Sketchnote-Hürden bringt.

So bin ich gestartet

Vielleicht hilft es dir, wenn ich dir erzähle, wie ich zum Sketchnoten gekommen bin…Irgendwann im Jahr 2015 habe ich in einem Vortrag einer Designerkollegin gesehen, die kurz ein paar Sketchnotelemente gezeigt hat und mir das erste Mal den Begriff Sketchnotes unter die Nase gehalten hat. Ich habe sofort Feuer gefangen und es ausprobiert.

Nun würde ja manch eine*r denken, dass das für eine studierte Grafik-Designerin gar kein Problem sein dürfte. Klar kann ich zeichnen und malen – für das sketchnoten hat das leider relativ wenig Bedeutung. 

Schau mal, so sehen Aquarelle von mir aus….Müsste doch eigentlich mit Sketchnotes auch funktionieren, oder? 

Aquarell vom Hafen Lübeck

Weit gefehlt…denn der eigentliche Prozess ist Denken – und dann umsetzen. Links unten siehst du eine meiner ersten Sketchnotes – rechts daneben eine meiner ersten digitalen Sketchnotes, ca. ein halbes Jahr später. Schön ist anders, aber glaube mir: Üben ist das Einzige was hilft!

Wild, ohne Struktur, ohne Plan und allenfalls als Gedankenstütze für mich zu gebrauchen. Der Weg dahin, Inhalte für andere sinnvoll und eindeutig festzuhalten hat etwas gedauert. 

Deswegen ist zu Beginn deiner Sketchnotekarriere wichtig, dass du erst einmal die Informationsflut im Griff hast, bevor du für andere zeichnen kannst. Wirf dafür mal einen Blick in die Sketchnotematrix, die dir zeigt, worin der Unterschied liegt.

Was dich erwartet

So, nehmen wir mal an, du willst nur für dich sketchnoten – auch da warten diverse Themen auf dich:

Was ist wichtig? Wieviel Text darf es sein?
Wie sorge ich dafür, dass es sich nett übers Blatt verteilt…wie du siehst, habe ich mit all diesen Themen selber zu kämpfen gehabt, es sind nämlich bis auf die Blattaufteilung keine zeichnerischen Probleme, sondern vielmehr strategische und gedankliche Aspekte, die auch mit eigenen Entscheidungen zu tun haben.

mSketchnoten verlangt von dir, dass du Entscheidungen triffst, nämlich herauszufiltern, was wichtig ist und was du getrost weglassen kannst. Das ist oft gar nicht so einfach und braucht ein bisschen Training.

Die Konsequenz und die Schwierigkeiten, die darin liegen

Jede Sprache hat eine Logik – meist sind es Worte (also Icons und Symbole), die miteinander verbunden (Container, Banner, Pfeile) Sätze bilden. Aus diesen Sätzen entstehen Texte, was abgeleitet aus dem Lateinischen soviel bedeutet wie Gewebe.

Bei Sketchnotes ist es auch so. Symbole und Icons sind die Worte, die verbunden mit Containern, Bannern und Pfeilen Inhalte ausdrücken, so wie ein vollständiger gesprochener Satz. Mehrere Sätze zusammen bzw. mehrere Container mit Symbolen können so auf einer Seite ein Thema wie ein Text beschreiben und beleuchten.

Sketchnotes sind eine visuelle Sprache

Warum einzelne Wörter dir nicht helfen

Auch wenn du in einer Sprache 100 Wörter kennst, wird es dir ohne zu wissen, wie sie verbunden werden und du Sätze bildest, kaum gelingen, dich wirklich zu verständigen. Auch nicht mit einem Wortschatz, der aus 500 Worten besteht. Es bleibt dir also nichts übrig, als dich früher oder später mit Satzbau und Grammatik zu beschäftigen.
Genau das ist der Grund, warum dir viele Sketchnotebücher am Anfang nicht helfen. Sie zeigen dir, wie eine Sketchnoterin vielleicht ein Icon, also ein bestimmtes Wort zeichnet, aber die Grammatik, der Satzbau fehlt. Ohne das, kannst du dich auch visuell nur sehr rudimentär ausdrücken. So kann eine Lupe als Icon heißen, das etwas gesucht wird, genauer angeschaut oder untersucht wird oder besondere Aufmerksamkeit bekommt. Was davon jetzt gemeint ist, kann nur der Kontext zeigen. Ergo: Es braucht mehr, als ein paar Iconvokabeln, um mit einer Sketchnote Inhalte reduziert und doch aussagekräftig darzustellen.

Wichtig ist auch, dass du dich Bildern und Metaphern bedienst, die in deinem kulturellen Umfeld bekannt und gültig sind. Der Daumen hoch ist hierzulande ein Ausdruck von “In Ordnung”. Willst du trampen, stellst du dich an eine befahrene Straße und bewegst den Daumen auf und ab. Im Mittleren Osten kann das zum Teil auch als obszöne Beleidigung gehalten werden. So ist das auch mit Symbolen.

Es entstehen also mehrere Problemstelllungen:

  • Welches Symbol drückt meinen Inhalt am besten aus?
  • Verstehen hier in meinem Umfeld alles dieses Symbol?

Da es für viele Fachbegriffe keine “fertigen” Symbole gibt, finde ich also auch besonders wichtig, als angehender Sketchnoter, zu lernen, eigene Symbole zu entwickeln. Das ist eher ein gedanklicher Prozess, als ein zeichnerischer und – setzt voraus, dass der grundsätzliche Prozess klar ist: Inhalt auf das nötigste reduzieren – Bildmetapher suchen und zur Not selbst entwickeln – im Zusammenhang mit dem Thema umsetzen.

Nur bei der konkreten Umsetzung geht es um zeichnen, alles andere dabei ist Denkarbeit!

 

Hier ein Beispiel, für ein Icon, dass ich für Marina Plotzitzka entwickelt habe, die als Energieberaterin mit typisch deutschen und unendlich langen Nomen hantiert. In diesem Fall: Fördermittelberatung – ein Monsterwort, dass erst einmal in Einzelteile zerlegt sein will, damit verständlich wird, worum es geht.

Das machen organisieren

Das Wichtigste dabei ist, dein “Machen” zu organisieren. Lass uns dafür einen Blick  auf die gesprochene Sprache werfen. Fast jeglicher Sprachunterricht beginnt mit ersten Vokabeln, die meist aufgeschrieben werden. Fortgeschrittene Lerner einer Sprache notieren sich irgendwann nur noch die Sonderfälle, unregelmäßigen Verben oder die Begriffe, die einfach nicht in den Kopf wollen. Am Anfang aber landet fast jedes Wort in einem Heft oder auf einer Karteikarte.

Das Prinzip ist auch wichtig fürs Sketchnoten. Die meisten meiner Teilnehmer haben unbewusst schon einen großen Wortschatz, nur sie wissen es nicht. Das ein „i“ überall im öffentlichen Raum als Symbol für (Touristen-)Information steht, erkennen sie im Alltag, kommen aber nicht auf die Idee, es selbst einzusetzen. So geht es uns mit vielen Zeichen, denen wir „draußen“ folgen. Daraus einen Wortschatz zu  generieren, den wir abrufbereit auf dem Schirm zu haben, braucht ein wenig Zeit. Dafür muss unser Gehirn erst einmal ein paar neue Verknüpfungen bauen.

Dokumentieren, aber richtig

Leg dir einfach ein Heft an, nutz einen Karteikasten oder leg dir ein Evernote-Notizbuch an, dass du sogar mit Schlagworten versehen kannst. Zeichne das Symbol und schreibe dir alle Ausdrücke dazu, für die du dieses Symbol einsetzen kannst. Du wirst merken, dass du später dein Vokabelheft nicht mehr so oft brauchst, aber es zeigt dir deinen wachsenden Wortschatz. Ganz wichtig: schreib dir auf, wenn etwas als Metapher funktioniert oder mehrdeutig ist. Nimm mal einen Leuchtturm und überleg dir, was sich damit alles anstellen lässt…so kann er als Symbol für Klarheit stehen, Überblick gewinnen (so von der Aussichtsplattform aus) oder wenn in deiner Zeichnung etwas darauf zu steuert, kann er als Ziel oder Meilenstein fungieren. Nur wenn du dir diese möglichen Anwendungen zunächst dazu schreibst, helfen dir die gesammelten Icons und Symbole.

Wenn es nun doch ein Buch sein soll…

Nun gebe ich dir doch noch eine Buchempfehlung. Ich habe viele Sketchnotebücher im Regal, aber das einzige, dass mir zum Start wirklich geholfen hätte, ist „Sketchnotes kann jeder“ von Ines Schaffranek. Die Autorin sagt darin: “ Ein eigenes Bildvokabular ist deutlich besser für dich, als ein kopiertes.“ Sie spricht mir aus dem Herzen und zeigt dir auch, wie du dahin kommst und dir deine eigene Sketchnotebibliothek entwickelst.

Vor allem die gedanklichen und konzeptionellen Teile des Buches hätten meinen Weg deutlich abgekürzt, aber zu der Zeit, war das Buch noch nicht geschrieben.

Was ich dir auch sehr ans Herz lege, ist „Alles nur geklaut“ von Austin Kleon, der mit seinem „10 Wege zum kreativen Durchbruch“  jedem Mut macht, kreativ zu sein. Sein Ansatz:  Hol dir Inspiration, wo immer du kannst.

“ Du bist bereit. Fang mit irgend etwas an.“ Austin Kleon

 

sketchnotebuecher

Wie sieht es in deinem Bücherschrank aus? Verstauben da auch Sketchnotebücher? Lass mich doch in den Kommentaren wissen, wie du damit umgehst.

 

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Wer hier schreibt

Moin, ich bin Susanne! Als glückliches Nordlicht kritzel ich für Kunden, begleite Veranstaltungen als Graphic Recorderin und gebe mein Wissen in Workshops weiter.

Susanne Speer

Sketchnoterin l Graphic Recorderin l Designerin, designpiranha

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